Projekt: DorfLadenCafé als eMobilitätszentrale

Dieses Konzept „DorfLadenCafé als eMobilitätszentrale“ wurde in der Kategorie „Ideen für soziale und technologische Innovationen“ mit dem VCÖ-Mobilitätspreis 2017 ausgezeichnet.

Kurzbeschreibung

Gemeinden des Burgenlandes und der Steiermark, die in den letzten Jahren eine Verwaisung ihres Ortskernes durch Geschäftsaufgabe von Nahversorgern und Bewirtungsbetrieben erfahren haben, bieten wir den Aufbau eines Dorfladens an, der gleichzeitig als Café, Treffpunkt und Dorfkino fungiert und per elektrisch angetriebenem Kleinbus die regionale Mobilität verbessert und als Mobilitätszentrale mit Verleih von eBikes und eLastenrädern wirkt, sowie Personen- und Güter-Transporte in der Region im Stil eines Sammeltaxis per Smartphone-App bereitstellt.

Der innovative Ansatz

Das gemeinsame Wirken einer Dorfgemeinschaft im Dorfladen als Bündelungspunkt für Elemente der Dorfkultur und der regionalen Mobilität bietet großartige Möglichkeiten, den bevorstehenden sozioökonomischen Wandel zielgerichtet auf das Gemeinwohl hin zu gestalten. Dies bedarf einer intelligenten Kombination von wirtschaftlichem und bürgerschaftlichem Tun und der smarten Nutzung aktueller Produkte aus Elektromobilität, alternativer Energieversorgung und nachhaltiger Produktion sowie zeitnahe Verteilung von Nahrungsmitteln und Kultur. Hierfür haben wir eine synergistische Lösung entwickelt, die sowohl wirtschaftlich tragfähig als auch sozial ausgerichtet und ökologisch optimiert ist.

Ausgangslage, Problemstellung

Das vorliegende Konzept will mit einer Lösung vier aktuelle Probleme kleinerer Ortschaften gleichzeitig und synergistisch anpacken: Erstens gibt es in einer wachsenden Zahl von Ortschaften keine Nahversorger mehr, die Geschäfte waren nicht mehr rentabel und haben aufgegeben. Zweitens fehlt es in diesen Ortschaften oft auch an kulturellen Angeboten und selbst Gasthöfe geben oft auf und hinterlassen leere Ortszentren. Drittens werden durch die damit entstandenen längeren Fahrten zu Versorgern oder Kultureinrichtungen besonders die Haushalte mit geringerem Einkommen zusätzlich belastet. Viertens steht in nur wenigen Jahren durch die laufende Digitalisierung und Roboterisierung der Produktions- und Dienstleistungsbetriebe eine Zunahme der Arbeitslosenzahlen insbesondere auf dem Land bevor.

Lösung

Ein gemeinschaftlich von den ortsansässigen BewohnerInnen betriebener Dorfladen, der abends zusätzlich als Café, Treffpunkt und Dorfkino fungiert, soll gleichzeitig auch örtliche eMobilitätszentrale sein und mit einem eBürgerbus und einem eBike- und eLastenrad-Verleih den BewohnerInnen mehr kostengünstige Mobilität ermöglichen. Durch ein besonderes Bildungsprogramm sollen sie gleichzeitig über ökologische und ökonomische Vorteile gemeinschaftlichen Wirtschaftens und gemeinschaftlicher Mobilitätsversorgung informiert werden und mobilisiert werden, an dieser Lösung aktiv mitzuwirken. Der eBürgerbus soll innen und aussen als Werbeträger für ortsansässige Betriebe genutzt werden, die im Gegenzug an seiner Finanzierung mittragen.

Zu erzielende Ergebnisse

Verwaiste Ortskerne sollen durch diese Lösung wieder belebt werden und lebendige Atmosphäre im Ort schaffen, die auch Besucher von auswärts zum Verweilen animiert. Die Herausforderung, eine solche Einrichtung aufzubauen und aufrechtzuerhalten kann vielen Bewohnern eine Aufgabe und eine Gelegenheit zur Selbstverwirklichung und Anerkennung in der Gemeinschaft bieten. Ein spielerisches Leistungsmonitoring soll laufend stolz darstellen, wieviele Gäste erfreut und welche Kennzahlen im Sozial- und Umweltbereich erzielt wurden (z.B. Anzahl sinnvoller Arbeitsstunden für das Gemeinwohl, vermiedener CO2-Ausstoß und Ähnliches). Unsere Modellrechnung hat ergeben, dass durch die Synergieeffekte unserer smarten Kombination von Dorfladen, Veranstaltungsorganisation und Mobilitätszentrale eine kostengünstige ökologische Mobilitätsversorgung möglich wird, die für besonders bedürftige Haushalte sogar kostenlos gestaltet werden kann.

Ökologischer Nutzen

Durch Bereitstellung und Betrieb einer eMobilitätszentrale mit elektrischem Kleinbus, eBikes und eLastenrädern werden Fahrten mit Verbrennungsmotoren vermieden und entsprechende Fahrzeuge können ganz abgeschafft oder zumindest in ein Sharingangebot eingebunden werden.

Das DorfLadenCafé geht aktiv auf die OrtsbewohnerInnen zu und will möglichst vielen als flächendeckendes Sammeltaxi mit Gütertransportfunktion die „Haltestelle direkt an der Haustür“ bieten und hilft ihnen, ihre Mobilität bewußt zu gestalten und wo möglich auf eigenen PKW zu verzichten bzw. hilft diese in ein Carsharing einzubinden. Diese Mobilitätsversorgung soll das Einzugsgebiet auch an die bestehende ÖPNV-Infrastruktur anbinden. Die hier angestrebte Lösung möchte die gemeinschaftliche Elektromobilität im Sammeltaxi-Kleinbus so attraktiv und „kultig“ machen, dass die Nutzung von privaten PKWs immer uninteressanter wird und so die Zahl der PKW pro Haushalt langfristig zurückgeht.

Eine Bezifferung des ökologischen Nutzens per Leistungskennzahlen soll durch spielerische Eingabe von Nutzungsdaten in eine Smartphone-App bei der Bestellung der Fahrten via „Gamification“ umgesetzt werden.

Erhöhung der Lebensqualität

Ein lebendiger Ortskern ist für die empfundene Lebensqualität bekanntermaßen von Bedeutung und Elektromobilität senkt den Lärmpegel, Lärm wird von vielen Menschen als die störendste Umweltbelastung empfunden. Sich nach einem fröhlichen Abend im Dorfzentrum elektrisch im Sammeltaxi nach Hause fahren zu lassen erhöht definitiv die Verkehrssicherheit. Der vorgesehene Kleinbus soll behindertengerecht ausgestaltet werden und auch für einen Rollstuhl Platz bieten.

Weitere Verbreitung

Das Konzept soll in 2018 an bis zu drei Standorten umgesetzt werden und seine Alltagstauglichkeit beweisen, um danach als Modell Nachahmer zu finden und diesen die Erfahrungen wenn möglich als freie Bildungsmaterialien (Open Educational Resources) zur Verfügung zu stellen.

Finanzierung

Von den voraussichtlichen Projektkosten in Höhe von € 240.000 können wahrscheinlich € 42.000 über Fördermittel abgedeckt werden, für Anschaffungen im Umfang von € 83.000 würde sich Crowdfunding (ähnlich Bürgersolaranlage, Bürgerbus) eignen, mindestens € 62.000 sollen im ersten Geschäftsjahr an Erlösen erwirtschaftet werden, für Sponsoring scheinen Kostenpunkte im Umfang von € 25.000 geeignet und die verbleibenden € 28.000 können über Kredite finanziert werden.
Die Abklärung der rechtlichen Rahmenbedingungen und der regionalen Besonderheiten und Herausforderungen braucht die inhaltliche und fachliche Unterstützung von Land und Gemeinde.

Projektträger, Ansprechpartner, Kooperationspartner

Ansprechpartner

Technische und konzeptuelle Aspekte: Bernhard Harrer 0681-81877938
Kommunikations- und Bildungsaspekte: Sabine Rösler 0650-4834809

Kooperationspartner

Give Forschungsgesellschaft – Labor für Globale Dörfer